Mit dem Neubau des Rathauses entsteht im Herzen Stolbergs weit mehr als ein neues Verwaltungsgebäude. Ziel ist es, ein modernes, nachhaltiges und bürgernahes Rathaus zu schaffen, das den Anforderungen der Zukunft gerecht wird und gleichzeitig die Erfahrungen aus der Hochwasserkatastrophe berücksichtigt.

In der Sitzung des Stadtrates am 14. Juli wurden die aktuellen Planungen vorgestellt und der bisherige Projektstand präsentiert. Damit ist ein weiterer wichtiger Meilenstein im Wiederaufbau erreicht.

Von der Idee zum konkreten Entwurf

Seit Beginn der Vorplanung Anfang 2026 wurde intensiv an der Entwicklung des neuen Rathauses gearbeitet. Dabei standen nicht nur architektonische Fragen im Mittelpunkt.

Gemeinsam mit den Mitarbeitenden der Verwaltung, politischen Vertreterinnen und Vertretern sowie den Fachplanern wurden zahlreiche Workshops durchgeführt. Themen waren unter anderem:

  • zukünftige Verteilung der Ämter
  • Arbeitsabläufe innerhalb der Verwaltung
  • Anforderungen der Bürgerinnen und Bürger
  • technische und energetische Konzepte
  • Hochwasserschutz
  • Nachhaltigkeit

Diese Beteiligung sorgt dafür, dass das neue Rathaus nicht nur gut aussieht, sondern auch im täglichen Betrieb optimal funktioniert.

Der Weg bis heute

November 2025

Projektvorstellung im Stadtrat

Der Planungsauftrag zum Wettbewerb „Neues Rathaus Stolberg“ wurde durch den neu gewählten Rat der Kupferstadt Stolberg beschlossen. Den Auftrag für das neue Rathaus hat schlussendlich das Architekturbüro kadawittfeldarchitektur aus Aachen erhalten, dass sich in der zweiten Stufe des Verhandlungsverfahrens durchgesetzt hat.

Januar 2026

Start der Vorplanung (Leistungsphase 2)

Durch die Abstimmung der Schnittstellen, Verantwortlichkeiten und Meilensteine wurden die Grundlagen gelegt, um die Ziele der Leistungsphase 2 bis Ende Mai 2026 strukturiert und effizient zu erreichen.

Januar-Juni 2026

Workshops zur Ämterverteilung, Bedarfsermittlung, technischen Planung und Gebäudeorganisation

In mehreren Workshops arbeiteten Verwaltung, Politik und Fachplaner gemeinsam an der zukünftigen Organisation des Rathauses. Dabei wurden die Verteilung der Ämter, die Anforderungen an Arbeitsplätze, Bürgerbereiche sowie technische und funktionale Abläufe abgestimmt und die Grundlage für die weitere Planung geschaffen.

Juni 2026

Freigabe der Vorplanung

Nach Abschluss der Vorplanung wurden die erarbeiteten Konzepte gemeinsam geprüft und freigegeben. Damit war die Grundlage geschaffen, um das Projekt in die nächste Planungsphase zu überführen.

Juli 2026

Vorstellung des aktuellen Planungsstandes im Stadtrat

Im Stadtrat wurde der aktuelle Planungsstand des Rathausneubaus vorgestellt. Präsentiert wurden unter anderem das Architektur- und Nutzungskonzept, Maßnahmen zum Hochwasserschutz sowie die nachhaltige Energie- und Gebäudetechnik und die nächsten Schritte im Projektverlauf.

So soll das neue Rathaus funktionieren

Mit dem Abschluss der Vorplanung steht nun fest, wie das neue Rathaus künftig gebaut, genutzt und nachhaltig betrieben werden soll. Hinter den Entwürfen steckt ein ganzheitliches Konzept, das moderne Architektur, Klimaschutz, Hochwasservorsorge und eine bürgerfreundliche Verwaltung miteinander verbindet. Die wichtigsten Bausteine im Überblick:

Das Tragwerkskonzept – nachhaltig, flexibel und langlebig

Das neue Rathaus setzt auf eine moderne Holz-Hybrid-Bauweise. Während das Untergeschoss aus wasserundurchlässigem Stahlbeton errichtet wird, entstehen die darüberliegenden Geschosse überwiegend in Holzbauweise. Diese Kombination verbindet die Vorteile beider Baustoffe: Beton sorgt dort für Stabilität, wo sie besonders wichtig ist, Holz reduziert Gewicht und CO₂-Belastung.

Eine Besonderheit des Gebäudes ist das sogenannte 1,25-Meter-Raster. Dabei folgt das Tragwerk einem regelmäßig aufgebauten Konstruktionssystem, das eine flexible Nutzung der Räume ermöglicht. Ämter können dadurch später einfacher umorganisiert oder Grundrisse angepasst werden, ohne dass die tragende Konstruktion verändert werden muss. Gleichzeitig werden Materialeinsatz und Bauaufwand reduziert.

Für die Decken kommen unterschiedliche Holzsysteme zum Einsatz. Verwendet werden unter anderem Brettsperrholzdecken sowie Holz-Kastendecken. Diese Bauweise ist besonders leicht und gleichzeitig sehr tragfähig. Durch den hohen Vorfertigungsgrad können viele Bauteile bereits im Werk gefertigt und anschließend auf der Baustelle schnell montiert werden. Das verkürzt die Bauzeit und reduziert Baustellenverkehr sowie Lärm. Außerdem bieten Kastendecken Platz für technische Installationen und ermöglichen größere stützenfreie Räume, wodurch die spätere Nutzung flexibler wird.

Visualisierung der offenen Büroflächen im geplanten neuen Rathaus Stolberg mit Holzstützen, modernen Arbeitsplätzen und großzügigen Fensterfronten.
© Kada Wittfeld Architektur

Hochwasserschutz – aus den Erfahrungen der Flut gelernt

Die Hochwasserkatastrophe von 2021 prägt die Planung des neuen Rathauses in besonderem Maße. Deshalb wurde der Überflutungsschutz von Beginn an als zentraler Bestandteil des Gebäudekonzepts berücksichtigt.

Das Untergeschoss wird als wasserundurchlässiger Baukörper ausgeführt. So soll verhindert werden, dass Wasser in die tragende Gebäudestruktur eindringt. Gleichzeitig liegt das Erdgeschoss rund 30 Zentimeter über dem Hochwasserstand von 2021, wodurch zusätzliche Sicherheit bei zukünftigen Starkregenereignissen geschaffen wird.

Gebäudeöffnungen unterhalb des definierten Hochwasserschutzniveaus erhalten mobile Wasserschutztore, die bei Bedarf geschlossen werden können. Ergänzt wird dieses Konzept durch Regenrückhalteflächen sowie Maßnahmen zur Flächenentsiegelung, damit Niederschlagswasser möglichst vor Ort aufgenommen und verzögert abgeführt werden kann. Dadurch wird auch das städtische Kanalsystem entlastet.

Hochwasserschutz am neuen Rathaus Stolberg mit mobiler Schutzwand vor einem Gebäudeeingang als Teil des nachhaltigen Sicherheitskonzepts.
© Kada Wittfeld Architektur

Das Energiekonzept – klimafreundlich und wirtschaftlich

Auch bei der Energieversorgung verfolgt das neue Rathaus einen nachhaltigen Ansatz. Nach umfangreichen Untersuchungen wurde entschieden, auf Erdwärme zu setzen. Insgesamt sind 74 Erdsonden mit einer Tiefe von jeweils rund 99 Metern vorgesehen. Gemeinsam mit modernen Wärmepumpen versorgen sie das Gebäude effizient mit Wärme und Kälte. Ein Anschluss an ein Nahwärmenetz wurde geprüft, erwies sich jedoch als wirtschaftlich nicht sinnvoll.

Für ein angenehmes Raumklima setzt das Gebäude auf eine Kombination aus natürlicher Fensterlüftung und moderner Gebäudetechnik. Während in den Obergeschossen überwiegend natürlich gelüftet wird, kommt im Erdgeschoss zusätzlich eine maschinelle Lüftung zum Einsatz.

Besonders innovativ ist die geplante Lehm-Klimadecke. Lehm kann Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben und trägt dadurch zu einem ausgeglichenen Raumklima bei. Zusammen mit einer wassergeführten Niedertemperatur-Kühlung entsteht ein energieeffizientes System, das im Sommer kühlt und im Winter für angenehme Temperaturen sorgt. Gleichzeitig verbessert der natürliche Baustoff die Luftqualität in den Innenräumen.

Blick in die moderne Gebäudetechnik des neuen Rathauses Stolberg mit energieeffizienten Heizungs-, Lüftungs- und Versorgungssystemen.
© Kada Wittfeld Architektur

Nachhaltigkeit – weit mehr als energieeffizientes Bauen

Nachhaltigkeit zeigt sich beim neuen Rathaus nicht nur in der Gebäudetechnik, sondern im gesamten Entwurf.

Die Dachflächen werden intensiv und extensiv begrünt. Dadurch wird Regenwasser gespeichert, die Dachflächen heizen sich im Sommer weniger auf und gleichzeitig entstehen neue Lebensräume für Pflanzen und Insekten. Zusätzlich verbessern die Dachbegrünungen das Mikroklima rund um den Kaiserplatz.

Das gesammelte Regenwasser wird in unterirdischen Speichern zurückgehalten und später beispielsweise für die Bewässerung der Dachbegrünung oder Außenanlagen genutzt. Dieses sogenannte Schwammstadtprinzip sorgt dafür, dass Niederschläge nicht sofort in die Kanalisation gelangen, sondern vor Ort gespeichert und zeitverzögert abgegeben werden. Gerade bei Starkregen kann so das Kanalnetz entlastet werden.

Auch die Freianlagen wurden konsequent klimafreundlich geplant. Zahlreiche Bäume, Stauden und klimaresistente Pflanzen sollen die Aufenthaltsqualität erhöhen und gleichzeitig der Überhitzung im Sommer entgegenwirken. Simulationen zeigen, dass sich begrünte Bereiche deutlich weniger stark erwärmen als versiegelte Flächen. Gleichzeitig wurde untersucht, wie sich das Gebäude auf die Windverhältnisse am Kaiserplatz auswirkt. Das Ergebnis: Die Aufenthaltsqualität bleibt erhalten und es entstehen keine problematischen Windströmungen.

Im Dachgeschoss entstehen zusätzlich begrünte Aufenthaltsbereiche mit Terrassen, Photovoltaik-Pergolen sowie Ausblicken auf die Stolberger Burg. Damit wird die Dachfläche nicht nur technisch genutzt, sondern als zusätzlicher Aufenthaltsraum gestaltet.

Auch bei der Materialwahl steht Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. Naturnahe Beläge, robuste Keramikelemente und klimaangepasste Bepflanzungen sorgen dafür, dass Gebäude und Außenanlagen langlebig und pflegeleicht bleiben und sich harmonisch in das Stadtbild einfügen.

Moodboard zum Freiraumkonzept des neuen Rathauses Stolberg mit Begrünung, Wasserflächen, Aufenthaltsbereichen, Naturmaterialien und Farbkonzept.
© Kada Wittfeld Architektur

Arbeitsweise – moderne Verwaltung mit flexiblen Arbeitswelten

Die Arbeitswelt verändert sich – und mit ihr auch die Anforderungen an ein modernes Rathaus. Deshalb orientiert sich das neue Gebäude am Konzept des „Activity Based Working“. Das bedeutet, dass Mitarbeitende je nach Aufgabe den Arbeitsplatz nutzen können, der ihre Tätigkeit am besten unterstützt. So entstehen unterschiedliche Bereiche für konzentriertes Arbeiten, Besprechungen, kreative Zusammenarbeit oder den Austausch im Team.

Gleichzeitig werden die 13 Ämter im neuen Rathaus sinnvoll miteinander vernetzt. Kurze Wege, moderne Arbeitsbereiche und flexibel nutzbare Räume fördern die Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung und schaffen effizientere Abläufe. Davon profitieren nicht nur die Mitarbeitenden, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger: Anliegen können künftig schneller bearbeitet und Verwaltungsprozesse besser aufeinander abgestimmt werden.

Auch der Bürgerservice wird neu gedacht. Im Erdgeschoss entsteht ein zentraler Front-Office-Bereich mit einem modernen Besuchermanagement. Termine können künftig online vereinbart werden. Vor Ort erfolgt die Anmeldung bequem über ein Check-in-System, bevor die Besucherinnen und Besucher zum passenden Serviceplatz aufgerufen werden. Ergänzt wird das Konzept durch Besprechungsräume und öffentlich zugängliche Aufenthaltsbereiche, die den Rathausbesuch angenehmer und übersichtlicher gestalten sollen.

Moderne Arbeits- und Aufenthaltsbereiche im neuen Rathaus Stolberg mit offenen Büroräumen und integrierter Besprechungsnische.
© Kada Wittfeld Architektur

Der Blick nach vorn

Mit der abgeschlossenen Vorplanung ist ein bedeutender Schritt auf dem Weg zum neuen Rathaus geschafft. In den vergangenen Monaten wurden zahlreiche fachliche, organisatorische und gestalterische Grundlagen erarbeitet. Nun startet die nächste Planungsphase, in der die Entwürfe weiter ausgearbeitet und für die spätere Umsetzung vorbereitet werden.

Planungsstand im Detail

Sie möchten noch tiefer in die Planungen eintauchen? Hier finden Sie die vollständige Präsentation, die in der Ratssitzung vorgestellt wurde.

Hinweis zum Urheberrecht

Das Urheberrecht an diesem Dokument liegt bei Kada Wittfeld Architektur. Kein Teil dieses Dokuments darf ohne vorherige schriftliche Genehmigung verwendet oder vervielfältigt werden.

Vorderansicht des neuen Rathauses in Stolberg
© Kada Wittfeld Architektur